von -30°C bis +30°C: Das Rucksackproblem

über die (fragliche) Kunst des Rucksackpackens

Wie um Himmels Willen bekommt man Strand- und Wüstensachen, Hochtouren- und Trekkingschuhe, Gletscher- und Biwakausrüstung sowie ein wenig Reise- bzw. Stadtbekleidung in nur einen – tragbaren – Rucksack?! An welcher Stelle darf man sparen, an welcher nicht? Welche Engpässe geht man lieber ein als andere? Was kann man wo leihen/ nachkaufen?

Das Packen ist bei so einer Unternehmung eine spannende Herausforderung. Will man die über 1kg schwere Steigeisen vier Monate lang mit sich rumtragen – oder reichen die Leichtsteigeisen, bei denen man aber gleichzeitig das Risiko eingeht, dass sie fürs härtere Eis ungeeignet wären? Fast bei jedem Ausrüstungsgegenstand entstehen solche Dilemmen und in jedem Einzelfall muss eine durchdachte Entscheidung getroffen werden. Wichtig ist dabei die Meinung des Partners – es ist kaum sinnvoll, wenn der eine die komplette Eisausrüstung dabei hat, der andere aber nicht.

alles gut ausgewählt – trotzdem waren es in Lappland 28kg

Wir haben uns seit langem darüber Gedanken gemacht und optimiert, was möglich war (u. a. eine Frage der Finanzen). So spart man mit einem leichten Hochtourengurt 300g und einiges an Volumen gegenüber einem „normalen“ Klettergurt. Auch alles andere wurde sorgfältig ausgewählt, auf der Küchenwaage abgewogen, verglichen und durfte erst bei „Bestehen“ ins Gepäck

 

Keine Kompromisse sind wir bei der grundlegenden Ausrüstung  eingegangen. Ein 3kg schweres, dafür aber stabiles (Expeditions-) Zelt für mich alleine, ein ordentliches Reparatur- und Erste-Hilfe-Set, etwas schwere, aber extrem robuste Hardshell-Jacke sowie zum ersten Mal ein Satellitennotsender gehören zum auf den ersten Blick nicht unbedingt Nötigen. Aber ebenso wie mehrere Paar Handschuhe, warme Mütze + Sturmhaube sowie eine ausreichende Temperaturreserve beim Schlafsack leisten diese Sachen im Notfall einen unüberschätzbaren Dienst – hier darf nicht gekürzt werden.

Es gibt keine einzig richtige Packliste für so eine Unternehmung (für die anderen auch nicht). Hier schlage ich meine Variante vor und werde berichten, ob ich etwas vermisst oder wenig benutzt habe. Bei Fragen – fragen!

Chile XXL – spruchreif!

Es war ein nettes Paar in den 40ern, das einmal auf einer Berghütte erzählte, dass sie alles liegen lassen und für ein Jahr zum Bergsteigen nach Südamerika gehen. Am nächsten Tag machten wir eine kleine Tour zusammen – und sahen uns seitdem nie wieder. Aber der Keim wuchs: Bei einem Versicherungstermin zeichnete ich auf die Frage, ob ich etwas Besonderes im Leben vorhabe (ein Haus bauen, eine Yacht kaufen, selbstständig werden etc) , eine gezackte Linie: /\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\ – eine Auszeit in den Bergen.

Der Boden war also warm und weich, als Anfang 2014 die erste Idee kam. Aus verschiedenen Gründen kam diese Tour später aber nicht mehr in Frage, wie übrigens auch die zweite, die Anfang Sommer etwas konkreter besprochen wurde. Umso überraschender, aber auch leichter geschah es dann im Herbst: Auf einmal legte sich der Puzzle aus der Arbeits- und Lebenssituation, Reiseziel, -zeit und -partner zusammen und das einzige, was blieb, waren die Flüge.

In genau drei Wochen geht es los – über Atlanta (USA) nach Santiago de Chile und weiter nach Coyhaique. Aus dem grauen, verregneten deutschen Winter in den rauen, windigen patagonischen Sommer, für 115 Tage nach draußen in die ungezähmte Natur Chiles und der Nachbarländer!  Über das, was wir vorhaben, wie die Vorbereitungen ablaufen und wie man Sachen für von +30° bis -30°C in nur einen Rucksack bekommt – in den nächsten Tagen mehr dazu!