Zeltgespenst

…ist unterwegs!

Chile-3: Katastrophen, Kunst und das Land der Mapuche-Indianer

Santiago de Chile

Dichter Smog, mäßig schmutzige, lebendige Großstadt (6 Mln Einwohner), immer noch ein Hauch der turbulenten neuesten Geschichte in der Luft – das sind die Haupteindrücke von der chilenischen Hauptstadt. Natürlich gibt es auch hier schöne Ecken (und leckeres Essen) – nach Wochen und Monaten in wilder Natur versuchten wir aber, unsere Aufenthalte hier so kurz wie möglich zu halten.

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Die Hauptstadt
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wie für mich gedacht 🙂 Süßigkeitenauswahl in jedem Supermarkt ist gewaltig
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„Ausgang nach Patagonien“ – der Name ist (unser) Programm!

Region de la Araucanía

wo Mapuche-Indianer zu Hause sind

Da mir die landschaftlich wunderschöne Regionen Araucanía, Region de los Lagos und Region de los Ríos noch komplett fehlten, wurde beschlossen, ihnen trotz auslaufender Reisezeit einen kurzen Besuch abzustatten. Dabei entschieden wir uns für die komfortable Variante – einen Leihwagen. So konnten wir trotz Herbstregen diese Tage richtig genießen und nicht zuletzt Orte erreichen, die außerhalb der Sommersaison von den Bussen nicht mehr angefahren werden.  Insgesamt rollten wir vier Tage übers Land, bewunderten die reiche und fast exotische Flora, schauten zu den Vulkanen hinauf und schliefen dort, wo uns gerade die Nacht erwischte.

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Copiapó

Copiapó ist eine Bergarbeiterstadt etwa 800km nördlich von Santiago. Sie hat rund 130 000 Einwohner und wurde vor wenigen Jahren durch das Grubenunglück mit der spektakulären Rettung der 33 Bergleute aus 700m Tiefe bekannt. Die Region zählt zur Atacama-Wüste und ist sehr trocken – es fallen nur etwa 12mm Regen pro Jahr. Umso dramatischer waren die Folgen der heftigen Regenfälle, die sich Ende März 2015 hier und über den Bergen östlich davon ereigneten. Das Wasser und der Schlamm bahnten sich Wege in die Täler – und trugen dabei unglücklicherweise auch Schwermetalle wie z. B. Abfälle der Goldindustrie mit runter (Arsen, Blei, Quecksilber uvm). Das Ergebnis sind mehrere Städte und Dörfer, die nicht nur mit Schlamm bedeckt sind, sondern auch deren Luft (zumindest während unseres Aufenthaltes 2,5 Wochen nach der Katastrophe) ohne Atemschutz kaum auszuhalten ist.  (Laut chilenischen Medien waren die Schwermetallkonzentrationen in der Luft damals nicht deutlich erhöht. Es wurde aber zumindest mit fortschreitendem Austrocknen des Schlamms erwartet.)

Frank und ich vereinbarten Copiapó als Treff- und Startpunkt für eine Bergtour schon lange bevor sich der Murenabgang ereignete. Die Tour gingen wir verständlicherweise nicht an (alle Straßen entweder weggeschwemmt oder gesperrt). Nach ein paar Stunden Spazierengehen hatten wir beide Kopfschmerzen sowie gereizte Augen und Schleimhäute, sodass wir die erste Möglichkeit nutzten, aus der Stadt wegzufahren und endlich durchzuatmen. Die Einheimischen müssen aber dort weiter leben….

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kein Leben mehr im Zentrum

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2,5 Wochen nach dem Regen

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geräumter Weg

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Mülleimer
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Laut einer Autoverleih-Firma befinden sich irgendwo hier unter dem Schlamm noch zwei Pickups. Sie sind zwar über Bord-GPS zu orten, aber nicht zu sehen.

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Triumphbogen „Im Krieg und im Frieden“

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Flughafen in der Wüste – Copiapó
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„Geldautomat ohne Geld“ – der Ausnahmezustand in Copiapó ist zu spüren
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am Strand „Bahía inglesa“ westlich der Stadt – endlich durchatmen!

Valparaiso

Vom „nach Fisch stinkenden Dorf“ bis zur schönsten Stadt der Welt gibt es Millionen verschiedener Meinungen zum Valparaiso. Fakt ist, dass die Stadt einen Besuch wert ist – wer aber auch hinter die Kulissen einen Blick werfen will, sollte nicht übertrieben empfindlich sein.

Wir begannen unseren Rundgang im Hafen, schauten die typisch touristischen Seenswürdigkeiten an und nahmen an zwei Stadtführungen teil – die erste eine „normale“, etwa drei-vierstündige Infotour, die zweite eine Graffiti-Tour. Beide waren sehr lohnenswert! Am dritten Tag  besuchten wir das, was uns besonders gefallen hat noch einmal. Das hat gut gereicht, viel länger würde ich für Valparaiso nicht einplanen.

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Alfajores sind traditionelle chilenische Süßigkeiten
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Graffiti sind das Wahrzeichen von Valparaiso

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Die Grenzen zwischen Kunstwerken und Slums sind manchmal sehr dünn
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Da die Stadt auf Hügeln steht, erleichtern öffentliche Aufzüge das Hinaufkommen erheblich

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Wahrscheinlich das (für mich) beeindruckendste Graffiti in Valparaiso: Eine Frau während der Geburt (Spanisch: Dar la luz – das Licht geben, gebären). Das Gesamtkunstwerk ist dabei nur von einem Ort zu bewundern, nämlich aus der Wohnung der Künstler im vierten Stock auf der anderen Straßenseite. Gesprüht wurde natürlich aus direkter Nähe – geniale Planung und Koordination!
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Viele Graffitis sind ohne kundige Erklärung schlecht zu verstehen, dabei verbirgst sich dahinter oft eine klare Aussage – hier während der Führung

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Mit wenigen Jahren Pause erschüttern diese Region mittlere bis schwere Erdbeben. Die Menschen leben wie sie können.
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Cafe „Glückliche Leute“
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„Das Meer für Valparaiso“ – trotz direkter Lage am Meer gibt es durch den großen Hafen gar keinen Zugang zu Wasser

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Freie Enden sind die wichtigsten 🙂

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Dieser Ascensor – Aufzug – ist über 100 Jahre alt und wurde zur UNESCO-Welterbe erklärt
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vom Erdbeben zum Erdbeben

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Da mit jedem Erdbeben immer mehr Häuser in der Stadtmitte beschädigt werden, ziehen die Menschen nach immer weiter außerhalb. Die Stadt scheint zu wachsen, dabei sieht es mittendrin manchmal nach einem halbzerstörten Geisterort aus.

Damit wäre unser Chile-Aufenthalt tatsächlich zu Ende. Ein paar Videos und natürlich jede Menge Erinnerungen häufen sich jedoch noch auf der PC- und vor allem natürlich der „menschlichen“ Festplatten. Deswegen ist dieses Kapitel noch lange nicht beendet und ich bin mir sicher, noch jahrelang davon zehren zu können!

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