Zeltgespenst

…ist unterwegs!

Winterbasecamp Oberalppass

27.02.-02.03.2014

Auf das Wintertreffen des  ODS-Forums  freute ich mich schon seit langem. Freunde wieder sehen, im Schnee zelten, den einen oder anderen Gipfel besteigen und nicht zuletzt die kürzlich gekauften Tourenskier ausprobieren. Selbst den Freitag frei zu nehmen funktionierte und so begab ich mich, noch nichts ahnend, zum Bahnhof.

Winterbasecamp-2014

„Mein Zug hat bereits 20 Minuten Verspätung, wird der Anschluss noch erreicht?“ – ich an der Reiseinfo. „Ihr Zug hat NOCH 20min Verspätung. Rechnen Sie mit einer Übernachtung unterwegs“. Nach etlichen ungeplanten Umstiegen und einem Spaziergang durch halb Basel von 3 bis 4 Uhr nachts (zwei Rucksäcke und Ski unter dem Arm inklusive) erreiche ich doch die „richtige“ Bahn und war am Morgen müde, aber glücklich am Oberalppass. Ohne viel Zeit zu verlieren ging es auf die Einlauftour: zur Maighelshütte und zurück. Ich zog die kürzlich erworbenen Skistiefel an und Felle auf, klinkte mich in die Bindung ein und dachte, dass zumindest bergauf nichts schief gehen kann.

Nach wenigen Metern war dieser Optimismus aber verflogen. „Unerwarteterweise“ drückten die frisch erworbenen Schuhe so, dass ich mich kaum bewegen konnte.  Nur mit Unterstützung des inzwischen gut befreundeten „Hochlagerteams“ vom letzten Jahr kam ich  an der Hütte an – und erfuhr bei der Fehleranalyse, dass es bei Tourenschuhen eine „Abfahrt“ und eine „Aufstieg“-Position gibt. In welcher ich aufgestiegen bin, lässt sich erraten…

erste Meter auf Tourenski – nein, hier legte ich mich noch nicht hin   🙂  (Foto: Stefan)

Während wir etwas tranken und uns über die Neuigkeiten austauschten, verschlechterte sich das Wetter endgültig. Wind trieb Schnee durch die Gegend,  im Abstieg konnte man keine Pausen machen. Deswegen schickte ich meine Freunde mit Schneeschuhen schon mal voraus, während ich selbst zum allerersten Mal auf extrem rutschigen Brettern runter musste.

Nach grausamen ersten Metern entdeckte ich den Pflug und lernte es sogar, eine Rechtskurve zu fahren und damit parallel zum Hang zu landen. Das Gelände war flach genug für mich Anfänger, aber steil genug um runter zu rutschen. Einmal, als ich fast zufrieden runter „rauschte“, schwankte plötzlich alles. „Lawine!“ war der einzige Gedanke, „weiter fahren!“. Bald darauf kopfüber auf dem Hang liegend, verstand ich, dass mir die Sinne einen Streich gespielt haben: Kontrastarme Umgebung (Whiteout) in Kombination mit Bewegung irritieren das Hirn und es kommt zu Schwindel.

wenn selbst Schneeschuhgänger schneller sind… hier noch bei gutem Wetter (Foto: Stefan)

Während ich mich aufrichtete (= Ski abschnallen, Füße ausgraben, aufstehen, Ski anschnallen), holte mich ein weiterer Schneeschuhgeher aus unserer Gruppe ein. Ganz entspannt ging er auf dem direkten Weg weiter – erst minimal bergauf, dann steil runter. Ich verzweifelte an beidem.

Um zu den Zelten zu kommen, müsste man nur noch die Höhe behaltend ein paar Hänge queren. Dass es mit Tourenskiern SO kompliziert ist, hätte ich niemals gedacht. Nach mehreren Versuchen, 2hm parallel zu einem steilen Hang zu erklimmen, zog ich Felle auf.

Die Druckstellen von den Schuhen an den Unterschenkeln nahmen inzwischen ein ungeahntes Ausmaß an. Selbst mit geöffneten Schnallen brauchte ich den ganzen Willen, um 30 vorgenommene Schritte zu machen. Meistens blieb es trotzdem bei 20…

Zurück im Lager – die mit mir gestarteten Schneeschuhgeher waren schon über zwei Stunden da – zog ich die Schuhe endlich aus und stellte mich mit Socken in den tiefen Schnee. So fertig haben mich meine Freunde noch nicht gesehen… Immer noch barfuß, wurde mit vereinten Kräften der Zeltplatz ausgegraben und das Zelt aufgestellt. Mit eiskalten, aber zumindest nicht mehr schmerzenden Beinen ging es in die Gaststube des Oberalppass-Gasthauses, wo in einer geselligen Runde Touren des letzten Jahres, Pläne fürs kommende und noch vieles mehr besprochen wurde.

entspannte Stimmung im Camp – zelten macht Spaß!

Am nächsten Morgen wachten wir in einer veränderten Welt auf und schaufelten uns als Erstes gegenseitig die Zelteingänge frei, wobei manche Unterschlüpfe vor Schnee gar nicht mehr zu sehen waren. Aufgrund der Lawinengefahr ging es für die meisten nur auf einen Hügel über die Skipiste hoch; ich blieb im Lager und übte das Nichtstun. Am Abend lieh mir eine Teilnehmerin ihre Schneeschuhe; ich schnallte sie über die Skiinnenschuhe und genoss einen kleinen Spaziergang über den See. Urlaub!

Zeltgespenst :) (Foto: Alex)
Zeltgespenst am frühen Morgen  🙂  (Foto: Alex)
Spaziergang über den See, Kurs direkt auf die Zelte zu

Am Morgen besserte sich das Wetter und ich nahm dankbar die wieder angebotenen Schneeschuhe an. Wieder wurden sie möglichst fest über drei Paar Socken und Skiinnenschuhe geschnallt – mal sehen, wie weit ich mit der Kombination komme.

Aufbruchsstimmung im Lager

Im Aufstieg machte sich als Erstes meine aktuell sehr bescheidene Kondition bemerkbar. Auch war es mit Schneeschuhen von Tchibo (Alurahmen, keine Steighilfe, rudimentäre Zacken….) etwas gewöhnungsbedürftig und wie erwartet froren die Füße, so dass ich sie einmal auspacken und richtig aufwärmen musste. Einen Abschnitt gingen wir mit Steigeisen – und wie ich jetzt weiß, werden steigeisenfeste Schuhe völlig überbewertet. Sie saßen auf Skiinnenstiefeln nämlich noch besser, als die Schneeschuhe….

Kurz vor dem Gipfel fiel auf, dass wir uns nicht nur dem höchsten Punkt, sondern auch der Wolkendecke nähern. Wie im Flug letzte Meter zurück gelegt, standen wir tatsächlich im strahlenden Sonnenschein vor einem großartigem Panorama!

Ihn gibt es, den blauen Himmel!

letzte Meter zum Gipfel (Pazolastock, 2740m)
knapp über den Wolken – eine bessere Belohnung kann es nicht geben!

Der Abstieg verlief schnell und unproblematisch, wir tauchten jedoch wieder unter die graue Wolkenmasse. Das wunderbare Gipfelerlebnis ließ das Wochenende aber recht positiv in die Geschichte eingehen und mich energiegeladen nach Hause kommen.

tolles Panorama
letzter Blick auf die Gipfel…
und schon sind wir von den Wolken verschluckt (hier eine Gruppe im Aufstieg)

Als „Mitbringsel“ nahm ich außer Schweizer Schokolade und geschwollenen (ehemaligen) Druckstellen aber auch noch eine Erinnerung mit: Selbst bei Bewölkung darf man in den Bergen auf die Sonnenbrille nicht verzichten! Nur wenige Meter Sichtweite und absolute Lichtunverträglichkeit waren die Folge, hielten aber zum Glück nicht lange an. Über Andermatt ging es zurück nach Hause, unter die Dusche und direkt auf die Arbeit. Bis zum nächsten Mal, liebe Berge!

Blick ins Tal zu Andermatt

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