Dieser verrückter Kopf

Erst einige Tagen ist es her, seit ich mich über die Unsicherheit klagte. Seit ich mich selbst beim Hallenklettern überwinden musste und mich fragte, wo der Spaß an der Sache hin ist. Nun scheinbar war es nur ein kurzer Ausflug in eine Welt, die ich hoffentlich nie näher kennen lernen werde – inzwischen kann ich es nicht erwarten, morgen endlich wieder ans Plastik und am Karnevalswochenende ins Eis zu kommen.

Es ist gefühlt ewig her, seit wir zuletzt auf Tour waren. Seit wir früh morgens schweigend dem Licht der Stirnlampen folgten. Seit die Konzentration das einzige war, was man spürt – außer der Atemlosigkeit bei den kurzen Blicken in die unglaublich schöne Umgebung.

Ich will raus. Ich will mit den Spitzen meiner Eisgeräte das Leben fühlen. Klettern, so einsam und so weit es geht. Am Berg sein, erleichtert und fasziniert mittendrin am Stand hängen und den Lieblingstee mit Freunden teilen.

Wie kann die Stimmung so schnell umschlagen? Was lässt die Verunsicherung in die Lust umschwenken? Teilweise sind es sicherlich die Erinnerungen an all die tollen Momente, die man in den Bergen immer wieder erlebt. Teilweise die Fragen, die man sich selbst beantwortet. Zum Großteil aber vermutlich die Zeit, die neben den physischen Kratzern auch jene der Psyche beseitigt. Mal wieder beeindruckend!

Wir wissen noch nicht, wohin es am kommenden Wochenende geht. mehrere Möglichkeiten sind im Spiel; von richtig steilem Eis, von dem mein Kletterpartner träumt und wo ich höchstens im Nachstieg hoch komme, über moderates Gelände mit unseren weniger Erfahrenen – da darf auch ich mich austoben -, bis hin zu längeren gemischten Klettereien, worüber ich mich wahrscheinlich am meisten freuen würde. Wie auch immer: Ich kann es kaum erwarten und packe schon mal den Kletterrucksack für morgen – und mal schauen, vielleicht lässt sich auch der gemeine letzte Zug der (nicht-)Lieblingsroute doch irgendwie meistern.

 

Ich weiß nicht…

Ey du da, du sollst Spaaaaaß haben! (Foto: Thomas)

…was kaputt gegangen ist. Das angeschlagene Knie ist inzwischen voll belastbar, neue, scharfe Hauen für die Eisgeräte liegen gut sichtbar neben dem Rucksack und die Kondition scheint durch das prellungsbedingte alternative Training eher gewonnen als verloren zu haben. Dennoch stehe ich immer wieder unterhalb einer Route in der Kletterhalle und habe Panik.

Der Kopf sagt, es ist doch überhaupt nichts passiert. Paar Meter ins Seil gerutscht im steilen Eisstück, so what? Davor dasselbe beim Drytoolen, beim Klippen. Dann im eigentlich beherrschten Gelände das Bedürfnis gehabt, dreimal so viele Schrauben zu setzen als nötig, aber immerhin oben angekommen. Und trotzdem ist etwas anders.

Ich stehe unter einer etwas anstrengenden, aber nicht zu schweren Route und merke den Herzschlag im Hals. Es wird leicht übel – genauso, wie ich es von den Wettkämpfen kenne und weiß dann, dass ich startklar bin. Jetzt möchte ich allerdings alles, nur nicht klettern.

Die ersten Meter überwiegt die Konzentration. Ist die Bodensturzhöhe hinter mir, kommt die Angst. Irrational, diffus, komisch. So ungewohnt und intensiv, dass ich sie von der Seite beobachten und nahezu genießen kann. Es geht unterschiedlich stark überhängend hoch, bis mir die Kraft ausgeht. Die vorletzte Exe ist auf Brusthöhe neben mir, ich bekomme sie jedoch nicht mehr geklippt und falle ins Seil.

Angst dabei? Keine. Warum auch? Überhang, erfahrener Sicherer, hoch genug. Schon wieder klettere ich die gleiche Route und falle eine Exe vorher rein, nachdem die „Flucht nach oben“ nicht funktioniert hatte. Beim dritten Mal muss ich unterwegs mehrfach pausieren, sonst bekomme ich das Seil nicht eingehängt und kann nicht nach Hause.

Das Fallen ist also nicht das Problem. Weder am Umlenker ins lockere Seil setzen, was der rücksichtsvolle Sicherer als erstes betreibt, noch richtig „reinkrachen“. Trotzdem fühle ich mich immer unwohler, je mehr sich mein Kletterpartner dem Routenende nähert und ich mich damit dem nächsten Kletterversuch. Selbst im Toprope, der absolut einfachsten und sichersten Spielart des Kletterns, fühlt es sich komisch an, sobald ich im Überhang etwas Luft unter den Fersen habe. Was ist hier los???

Es ist vermutlich der Kontrollverlust, der mir zu schaffen macht. Zwei Sturze hintereinander an Stellen, wo ich es nicht erwartet hätte, bringen das Gefühl der Unsicherheit – diesmal waren es Kleinigkeiten, ein anderes Mal könnte es anders ausgehen. Ich bin ziemlich sicher,  bald wieder auf die Werkseinstellungen und das gewohnte Vertrauen schalten zu können, dennoch finde ich es extrem beeindruckend, wozu der Kopf ohne „meiner“ Erlaubnis fähig ist.

Ich bin sehr gespannt, wie lange es dauert, bis ich wieder die Zuversicht und den Spaß zurück gewonnen habe. In der Kletterhalle ist ihr Fehlen überhaupt kein Problem – solange die Angst keinen rationalen Boden hat und einem nichts passieren kann, ist es durchaus unterhaltsam, sich ihr zu stellen. Interessanter wird es im Eis, wo ich es tatsächlich lieber lassen sollte, zu fallen. Aber auch da finden der Kopf und ich bestimmt einen Kompromiss – hoffentlich möglichst bald, in nur zwei Wochen geht es wieder los und da will ich stressfrei hoch. Wie wäre es morgen mit dem Riesendach in der Lieblingskletterhalle?

Wo ist der Backup  zu diesem Zustand? Her damit! (Foto: Thomas)

Eis & Ski

Seit meinem 18. Lebensjahr verbrachte ich mehr Silvesterabende auf einer Berghütte als in der Stadt.  Auch diesmal wollten wir, zu sechst, zwischen den Jahren in und auf die Berge. Die Lawinenlage spielte jedoch nur bedingt mit und anstatt eines Winterraums gab es im Endeffekt eine warme Ferienwohnung im Tal – schön war es trotzdem.

Mehrere schöne Tage im Eis, einer auf der Piste und zwei anfängergerechte Skigipfel – noch mehr Abwechslung geht nicht. Etwas weniger optimal war diesmal jedoch die Verletzten“quote“ – kleinere, aber ärgerliche Stürze beim Skifahren (F.) und im Eis (me) sowie aufgeweckte alte Probleme (M., F-2) hinderten nahezu alle von uns zwischendurch daran, das Leben zu genießen. Trotzdem hoffe ich natürlich auf ein gesundes, erlebnis- und bergreiches Jahr 2018!

Nass-Drytooling

„Vor dem EOFT klettern und mit der Klettergruppe essen gehen, am Tag danach drytoolen“  –  der Plan gefiel mir ganz gut, obwohl die Woche bereits recht anstrengend war. Zwar wurden beide Sessions eher kurz, machten aber umso mehr Spaß.

Eiskletterfolk an der Drytooling-Anlage im Landschaftspark Nord in Duisburg. Neben uns vieren ist noch ein Kurs aus Aachen am Start

Nachdem wir also drei Stunden lang die Abenteurer und Freaks beim EOFT bewundern durften, ging es bei kühlem, aber noch trockenem Wetter nach Duisburg. Da die einfacheren Routen durch einen Kurs belegt waren, legte Lukas, der bereits vor zwei Wochen hier war, direkt in einer „richtigen“ drytooling-Route los. Ich stieg erschreckend wackelig nach, kletterte mich aber doch relativ schnell  wieder ein und  freute mich über die ein paar Schneeflocken, die gerade fielen. Bald wurde daraus aber eine richtig winterliche Stimmung und wir ziemlich kalt und nass.

Es kletterte sich recht gut… Ich machte mir über die Route keine Gedanken und war gerade zwar etwas müde, aber ohne Stress dabei, die 4. Exe zu klippen, als ich plötzlich mit einem Steigeisen den Oberschenkel vom mich sichernden Lukas streifte. Die Spitze des Eisgeräts war ausgebrochen und ich machte das, was man im Eis unbedingt vermeiden sollte – einen Abflug. Zum Glück traf ich Lukas nicht wirklich und auch er schaffte es, mich trotz der ungünstigen Ausgangslage kurz vor dem Boden zu halten. Das andere Eisgerät hing noch oben….also kletterte ich noch einmal mit einem hoch, holte das andere und hängte den Umlenker ein.

Alt wurden wir beide heute jedoch nicht. Noch ein paar Routen und ich konnte die Eisgeräte kaum noch halten – kein Wunder, die Woche war durchaus aktiv… Also ab in die Bahn, nasse Sachen ablegen und hoffen, dass die DB den Schnee noch nicht bemerkt hatte… (hat bei mir noch weitgehend funktioniert, bei Lukas leider nicht mehr).

Unglaublich….

…wir sind da, wieder zu Hause. Zurück nach einer großartigen Reise, einem modernen Abenteuer in atemberaubend schöner Landschaft und mit einer großartigen Gruppe!

Bis auf einige kleinere Probleme (teilweise gesundheitlich, teilweise gingen Sachen kaputt, u. a.  meine Kamera…) funktionierte alles bestens und jeder von uns stand im Endeffekt auf mehreren Gipfeln, davon auf einem (Lukas sogar auf zwei!) Sechstausendern. Auch haben wir es geschafft, zu Hause fit und gesund anzukommen – nach zuletzt mehreren Tagen in der Stadt (kulinarisches Erlebnis!) nicht ganz selbstverständlich.

Ich werde bestimmt noch einiges schreiben über die Reise. Jetzt sind  schon mal einige Bilder online, die Beschreibungen kommen in den nächsten Tagen… Cordillera Blanca

Peru 2017

Am Artesonraju, Peru-2016

Es ist soweit. Nicht mehr nur geträumt, nicht spruchreif und nicht „bald“ – nein, es ist hier und jetzt: Erneut sitze ich in der Bahn zum Flughafen, höre Musik und überlege, wie ich meine 47kg Gepäck gleich durchs riesige Flughafengelände zum richtigen Schalter bekomme.

Es ist beeindruckend, wie eine dreiwöchige Reise einem das Leben  verändern kann – und das noch ohne statt gefunden zu haben. Seit Monaten drehte sich so vieles drum herum: Das Training, die abendlichen Recherchen, die Gespräche in der Kletterhalle. Sogar in der täglichen Routine stellte die Reise ein übergeordnetes Ziel dar – was kann wichtiger sein, als in einem halben Jahr wieder so klitzeklein vor der riesigen Bergkulisse zu stehen?

Und nun ist es wirklich soweit. Die Gedanken sind noch bei der Anreise, bald gehört aber nur noch das Lieblingshobby in den Kopf. Bis bald, das „normale“ Leben! Wir halten die Zeit mal wieder an und genießen die Freiheit, Sorglosigkeit, Bewegung und die großartige Bergwelt Südamerikas.

 

Ein Leben offline..

Wallis in ersten Sonnenstrahlen am 18.06.17

….ist (wenn unbedingt nötig) möglich und manchmal sogar sinnvoll – zum Beispiel, wenn man es zwischen den Bergwochenenden kaum noch schafft, den Rucksack aus- und wieder einzupacken. So erging es mir in den letzten Wochen: Arbeit, Wochenendtouren, zwischendurch ein wenig Zweisamkeit und wie immer jede Menge anderer, an sich super angenehmer, sich aber immer wieder unkontrolliert vermehrender Dinge.

Es wurde durch die umliegenden Mittelgebirge mit dem Kölner DAV gestreift, zweimal ging es im Juni ins südschweizerische Wallis und zur guten Letzt kletterten wir die „Eisenzeit“ – eine beeindruckende, aber brüchige neue Route auf die Zugspitze.

Gern würde ich alles genau beschreiben und reflektieren. Einige Texte liegen bereits im Ordner „zu redaktieren“ – nur dass es dazu nicht kommt. Und so gern ich mir einige Tage Zeit nehmen würde, die Seite auf Vordermann zu bringen, ist so eine Pause nicht in Sicht. Daher geht es erstmal  im „Offline“-Modus weiter – zum wichtigsten Grund schreibe ich die Tage aber doch mehr 🙂

Wallis – I`m loving it

auf dem Wasenhorn (3246m)

Vor knapp drei Jahren lernte ich mehr oder weniger zufällig die Westalpen kennen – im Saas-Tal.  Jene Woche war anspruchsvoll, anstrengend, die Berge entlohnten jedoch alle Mühen. Das, was ich damals erlebte, war noch einmal  gewaltiger, rauer, schöner als die Ostalpen und eroberte mich endgültig für die Berge.

Seitdem war ich sechs Mal im Wallis. Inzwischen sind die größeren Ortschaften vertraut und die meisten Täler zumindest ein Begriff. Und trotzdem überrascht die Walser Bergwelt immer wieder mit ihrer Schönheit  – wie auch zuletzt während unserer Fletschhorn N-Wand und Wasenhorn-Tour über Ostern 2017.

Video

Bericht+Fotos

 

Cogne – Eis für alle!

Dank Steigeisen und Eisgeräten kommt man in die Zauberwelt der gefrorenen Wasserfälle

Der Winter schreitet fort;  wir nutzen jede Möglichkeit, ihn zu genießen. Diesmal haben wir uns eine 10h-Autofahrt angetan um die Mekka des Eiskletterns zu besuchen – die kleine Ortschaft Cogne im italienischen Aostatal. Im Dunkeln angekommen und kaum Eis gesehen, hatten wir schon Angst, die ganze Reise umsonst gemacht zu haben, doch spätestens am nächsten Morgen war klar: Selbst wenn der Winter bisher relativ trocken war und viele Eisfälle sich nicht ausgebildet haben, hat es hier trotzdem mehr Eis als wir je klettern können würden. Tschakka!

Fünf Tage blieben wir in unserer kleinen Ferienwohnung in Lillaz, sammelten insgesamt 1800 Klettermeter und seilten jeder 20 -25 Mal ab. Als Abschlusstour für die früher abreisenden meinen Tourenpartner Lukas und mich (die anderen hatte mehr Zeit und sind noch fleißig dabei) glückte uns das Cold Couloir – eine 600hm  (WI4+ TD-) lange, elegante Linie im Vallone Valeille.

Cogne hat uns allen super gefallen; ich werde sicher noch ein paar Worte dazu schreiben – und trotz der Entfernung wieder kommen!

Königsspitze 02.01.2017

Letzte Meter zum Gipfel der Königsspitze (3851m), im Hintergrund Cevedale

Südtirol oder Tirol, Chamonix oder doch die Schweiz? Die letzten Tage des Jahres waren turbulent und die Entscheidung fiel erst im Auto: Über Silvester geht es in die Ortlergruppe.

Noch weniger geplant war es, anstatt still in einem Winterraum oder Biwak in einer bewirtschafteten Hütte ins neue Jahr zu rutschen. Doch die phantastische Küche der Schaubachhütte war es absolut wert und als am 2.1. der Wecker um 5 Uhr klingelte, waren wir erholt, fit und bereit, die formschöne Königsspitze (3851m) über die Ostrinne zu versuchen. Eine traumhafte, bei Januar-Verhältnissen (teils Blankeis) jedoch nicht einfache Tour, die als etwas ganz Besonderes ins persönliche Lebensbuch eingeht.

… MEHR DAZU