Zeltgespenst

…ist unterwegs!

Verloren im Mai

SALLENT DE GÁLLEGO – TORLA    25.-31.05.12

unterwegs im Mai

 „Was frühstückst du normalerweise?“ – „Müsli“- „Igitt, Müsli!!!“

„Und du?“- „Vollkornbrot mit Wurst oder so…“ – „Vollkornbrot? Freiwillig nie! Und Wurst am Morgen???“  

„Was sollen wir zum Abendessen mitnehmen? „- „Egal, Hauptsache kein Kartoffelpüree. Am liebsten Reis. Was magst du?“- „ Reis – bäh . Am liebsten Kartoffelpüree…„  

„Wie viel Schokolade sollen wir mitnehmen?“- „Ähm, für mich keine, esse eh nichts Süßes. Aber wir haben zu wenig Käse!“

Bis 10 Uhr eine Prüfung, um 11 fährt der Bus ab.  Dazwischen kapern wir im Laufschritt zwei Supermärkte, eine Apotheke und einen Outdoorladen, halten ein Taxi an und sind 5min vor der Abfahrt am Bahnhof.  Nur: „Deine Stiefel habe ich in meinem Rucksack, aber wo sind meine???“ Tja, Damen on tour.

dream team

 Sallent-Respomuso, ca. 900hm

Die Fahrt nach Sallent ist kurz und angenehm. Dort suchen wir erstmal eine offene Bar auf und bitten um ein wenig Salz, das wir vergessen haben. Dabei kommen wir mit einem Holländer ins Gespräch, der seit Jahren als Guide in der Gegend arbeitet („bei uns gibt es keine Berge, deswegen bin ich hierher gekommen“) und uns mit vielen Informationen versorgt. Salz bekommen wir auch und starten gegen 15 Uhr in Richtung Respomuso (See und Hütte).

GR 11
GR 11

Der Weg (GR 11) ist gut ausgeschildert, einfach und recht malerisch.  Das Gehen mit vollem Gepäck fällt aber nicht leicht, deswegen freuen wir uns sehr, am Respomuso-See anzukommen. Die Landschaft ist beeindruckend schön; wir steigen am Refugio vorbei und wollen ein Stück weiter zelten. Zwei Hüttenbesucher schauen uns verwundert hinterher, das bin ich hier aber mittlerweile gewohnt.

kurz vor Respomuso-See
kurz vor Respomuso-See
...und am See
…und am See

„Es fehlt nur noch, hier einzubrechen“- denke ich und trete müde auf die fragwürdige Schneebrücke über dem Bach. Im nächsten Augenblick kracht es, wird kalt& nass und ich  umarme Steine im Bachbett, weil die Strömung nicht einschätzbar ist. Doch es geht glimpflich aus und außer nassen Hosen und einen angeschlagenen Fingernagel passiert nichts. Die Warnung funktioniert: Wir verlieren vertrauen in den Schnee; wie sich später herausstellen wird, nicht umsonst. Die beiden an der Hütte beobachten uns immer noch, fragen aber nicht einmal, ob alles gut gegangen ist. Nach 1,5h Zeltplatzsuche (Frauen 🙂 ) finden wir endlich absolut trockenen und ebenen Boden sowie die perfekte Aussicht in Kombination mit Wind- und Sichtschutz und genießen den Abend.

Gran Facha, 3005m

Zur Wahl standen mehrere Gipfel, die wir mit leichtem Gepäck angehen wollten. Wegen des unsicheren Wetters am Nachmittag entschieden wir uns für die einfachere Variante – Gran Facha (3005m).

Gran Facha - höchster Gipfel im Bild
Gran Facha – höchster Gipfel im Bild

Die erste Schwierigkeit war die Orientierung, die trotz der guten Sicht und 40er Karte nicht klappen wollte. Wir verbrachten 1,5h mit der Suche des Pfades (zelteten aber zugegebenermaßen etwas abseits)! Dort angekommen, trafen wir auf zwei, die damit 2h beschäftigt waren – so etwas baut auf…

 

Weiter ging es barfuß über einen Bach, eine Schlucht hoch und vom Sattel mehr oder weniger den Kamm entlang. Einen durchgehend sichtbaren Pfad gibt es nicht, als Markierung  dienen die Steinmännchen. Sie sind leicht zu verfehlen, also stiegen wir oft dort, wo es uns am besten gefiel. Einmal holte ich einen ganzen Block raus, „stellte“ ihn mühsam zurück und beschleunigte weg von dort. Meine Partnerin kletterte gleichzeitig einen Überhang und war danach genauso wenig motiviert weiter zu gehen wie ich, wenn ich an den Abstieg dachte. Die Bewertung „facil“ konnte keine von uns nachvollziehen.

der Zustieg ist geschafft – los gehts!
viel Platz nach dem eigenen Weg zu suchen

Zum Gipfel hin wurde die Felsqualität besser und das Gelände zwar luftiger, aber einfacher. 5h nach dem Start waren wir oben und beeilten uns bald zurück (instabiles Wetter). Und das ging ganz easy! Glücklich folgten wir den Steinmännchen und waren schon 200hm tiefer, als die falsche Abstiegsrichtung auffiel…

viel Luft unter den Füßen
Gipfel!
Gipfel!

Noch einmal rauf, richtig runter. Markierungen aufmerksam folgend, ging es viel besser als der Aufstieg. Weiter unproblematisch, nur die Zeltsuche zog sich etwas. Schöner Tag!

verdientes Abendessen – und wir waren tatsächlich auf der höheren Pyramide ganz oben!
 Ausschlafen,  Zeltplatz verlassen…

 Ganz faul 😉 Ausgeschlafen, den (grauen) Morgen genossen und diejenigen beobachtet, die uns den Aufstieg zur Scharte spurten 🙂 Zum Mittag ging es doch raus. Einige Bäche barfuss gequert, gemütlich ein Stück aufgestiegen. Da wir aber in der Mittagshitze teilweise hüfttief einbrachen – dort, wo die anderen es nur bis zum Knöchel taten – wurde das Passieren der Scharte bald in Frage gestellt. Auf ca. 2500m ließen wir es endgültig sein und zelteten auf dem letzten Fleck Gras.

 

Netz? Keine Chance 🙂

Die Richtigkeit dieser Entscheidung bestätigten mehrere im Laufe des Abends gesehene Schneerutsche von den umgebenden Hängen sowie eine ältere Bodenlawine. Es wurde noch ein super Abend in traumhafter Umgebung, der nächste Tag wird es aber noch toppen!

traumhafter Abend

Cuello de Infiernos (2782m) -Ibón de Bachimaña Alto

„Action“ können wir auch  – der Aufstieg am frühen Morgen

 Zeitig aufgestanden 🙂 , früh genug los. Kalt! Das letzte Stück vor der Scharte ist wirklich so steil, wie es von unten aussieht, dank den gefrorenen Spuren aber gut zu gehen. Oben dann eine unangenehme Gerölltraverse (GR 11 soll irgendwo auch gehen, vermutlich tiefer unter dem Schnee) und flacher Abstieg an mehreren wunderschönen Seen vorbei. Den Gipfel eines der Picos de Infiernos, praktisch auf dem Weg liegend, haben wir sein gelassen, weil der Schnee schon wieder stark aufgeweicht war und wir schnellstmöglich absteigen wollten. letzte Meter zur Scharte

geschafft!
geschafft!

phantastische Stimmung, auf dem Bild nur teilweise wiederzugeben…. 2h Pause sprechen für sich!

Geplant war der Abstieg auf 2200m und Aufstieg in Richtung der nächsten Scharte (Übergang ins Val D´Ara).   Am See 100hm über dem Ibón de Bachimaña Alto mussten wir aber einsehen, dass es nicht möglich ist:

der Fluss war für uns nicht zu waten.

Insgesamt waren Wasserverhältnisse ziemlich kompliziert (Schneeschmelze) und die größte Schwierigkeit unterwegs.

Rückkehr zum See
Rückkehr zum See

Zurück am Ibón de Bachimaña Alto wollten wir in die Biwakhütte reinschauen und evtl. dort übernachten. Das erforderte nun doch eine Flußquerung, die die schwierigste der ganzen Woche war. Fotos gibt’s keine, da wir zu zweit gingen. Die Hütte war dreckig und ungemütlich. Unser Zeltplatz dagegen klein, aber herrlich gelegen. Noch ein toller Abend!

abends aus dem Zelt
abends aus dem Zelt

 Ibón de Bachimaña Alto->Baños de Panticosa

…und wir.
Am Morgen waren Flüsse – bei niedrigerem Wasserstand – wesentlich einfacher zu queren

Ausschlafen, Aussicht bewundern, zwischen den Eisschollen waschen, Sekt trinken. Meine Partnerin hatte Geburtstag, das Wetter passte und wir mussten erst um 16 Uhr in Panticosa sein. Da sich ein Freund zu uns gesellen wollte und wir Torla als Startpunkt vereinbarten, aber nicht weiter kamen, mussten wir ein wenig mit dem Bus umfahren. Gut 1000hm Abstieg und ein paar Km zogen sich länger als gedacht, sodass wir nur mit viel Glück und 10km per Anhalter den Bus bekamen.

Torla- Rif. Goriz

Sabiñánigo

Die Nacht war ein Erlebnis. Noch beim Aufstellen des Zeltes hatten wir die Wahl: Wildschweinspuren oder Wespennest in der Nähe. Wir entschieden uns für die Wildschweine, bereuten diese Entscheidung jedoch SEHR schnell 🙂 Noch am Abend wurden wir belagert, begrunzt, beobachtet usw.. Sehr gemütlich.

Auf dem GR11 gingen wir klassischen Touristenweg durchs Ordesa-Tal. Wasserfälle bestaunen, zum Circo de Soaso aufsteigen und dann über die Clavijas (=Stifte) zum Rerugio Goriz und etwas höher um zu zelten. Es war heiß, die knapp 1400hm mit ca. 14km lang und wegen der Busfahrt kamen wir erst spät an. Meine Partnerin ließ zudem ihre Kamera 30m senkrecht fallen und diese funktionierte nicht mehr.

Circo de Cotatuero, hier kommen wir morgen runter
Circo de Cotatuero, hier kommen wir morgen runter
Cascada del Estrecho
Cascada del Estrecho – einer der schönsten Wasserfälle im Ordesa-Tal

 

Aufstieg durch den Circo de Soaso, Blick ins Ordesa-Tal

Tag 7  Cuello Millaris-Circo de Cotatuero-Torla

Schaffen wir es oder schaffen wir es nicht? Wenn nur ein Bus pro Tag fährt und man am nächsten Tag nach Hause fliegt  denkt man zwei Mal nach. Es wird beschlossen, es zu schaffen, und so starten wir zeitig in Richtung Cuello Millaris (ca. 2457m).

Verschneites Karstgelände – was gibt es Besseres, besonders wenn man nur zwei Stöcke für drei Personen hat.  Auf dem Sattel sind wir noch im Zeitplan, der Abstieg gestaltet sich aber immer schwieriger. Die Zeit läuft. Das Gelände ist steil und abschüssig. Ich muss heute Abend das Zimmer aufgeben und meine Sachen vom ganzen Jahr packen. Von der Markierung keine Spur. Die Freundin von mir fliegt morgen mit nach Deutschland. Der Freund fährt noch in der Nacht nach Südspanien. Das gibt’s doch nicht,  ich bin doch hier schon mal hoch und runter! Eine einfache Kletterpassage, dann steiles Gras. Und hier geht es nur senkrecht nach unten, möglicherweise eine der berühmten Cotatuero-8ern. Donnerwetter.

geniales Klettergelände

Wir behalten die Nerven und suchen geduldig nach einem annehmbaren Abstieg. Ein Murmeltier schreit meine gerade kraxelnde Partnerin aus der nächsten Nähe an, eine Gämse steuert auf mich zu und schießt in nur 1-2m an mir vorbei. Der „Weg“ ist akzeptabel, aber nicht mehr. Gehen oft einzeln, um den andern nichts auf den Kopf fallen zu lassen. Wir freuen uns sehr, den ersten Teil des Abstiegs geschafft zu haben, sind aber eine Stunde hinter der Zeit und müssen erstmal eine Watstelle suchen. Schuhe aus, furten, Schuhe an und in wenigen Minuten sind wir an den Clavijas de Cotatuero – einer Art Miniklettersteig.

Clavijas de Cotatuero
Clavijas de Cotatuero

Es ist luftig und mit großen Rucksäcken nicht der beste Weg, geht aber ohne Probleme. Dann noch eine Stunde und die 1500hm Abstieg sind hinter uns. 10 Minuten später sind wir an der Pradera de Ordesa (Parkplatz); zum Bus ab Torla sind es noch 7km und 28 Minuten…

Ordesa-Tal  

Der Parkplatz war voll. Wir sprachen mehrere Personen an, sie wollten aber erst später fahren. 8 Minuten vor der Busabfahrt wurden wir aber doch eingesammelt.

Torla
Torla

Der Bus kam 15min später. Hinter uns lag eine super Woche, hinter mir  ¾ Jahr Spanien mit vielen kurzen, aber intensiven Trips in die Pyrenäen. Ob sie die beste Wahl für den Sommer sind, wage ich zu bezweifeln, im Herbst, Frühjahr und Winter bieten sie einem aber viele einsame, schöne und anspruchsvolle (Wander)Routen, leicht erreichbare (Winter-)3000er, praktisch unberührte Natur und nicht zuletzt interessante kulturelle Ziele. Bei all der anfänglichen Skepsis – ich komme wieder!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll Up