Zeltgespenst

…ist unterwegs!

BGL: Höhenmetersammelwochenende

25.-27.09.2010

Es war Ende September und ich hatte am Samstag ein Rennen auf dem Starnberger See – warum danach nicht schnell in die Berge flitzen? Nun,  Gründe dagegen gab es eigentlich genug:  Von der schlechten Wettervorhersage über den nur kurzen zur Verfügung stehenden Zeitraum bis hin zur sportlichen „Unverträglichkeit“ der beiden Aktionen. Da ein Freund aber „ja“ sagte, war die Sache beschlossen.

am Hocheck
September am Hocheck

Nach einer Anreise über Nacht, Rennabbruch wegen Schlechtwetter und einem Ersatzwettbewerb am Land wollte ich eigentlich nur noch eins: Ins Bett. Stattdessen standen der Freund von mir und ich am Gleis und stellten Minuten vor der Abfahrt fest, dass er das Zugticket – unser Zugticket – verloren hat. Trotzdem saßen wir irgendwann in der Bahn und hatten drei Stunden Zeit um uns zu erholen, bis die Bahngleise um 20 Uhr in Berchtesgaden zu Ende waren.

Den bekannten Weg zum Königssee im letzten Tageslicht zurückgelegt, mussten wir am Fuß des Grünsteins über mehrere Bauzäune klettern, weil die Wegeführung kürzlich geändert und uns nicht bekannt war. Im Dunkeln stiegen wir zur Kührointalm auf und dann über den Falzsteig  zum Watzmannhaus, was etwa 1200hm in 2h45min machte.

Wir hatten Glück: In der Hütte war ein Musikabend und wir bekamen um 23 Uhr sogar noch Kuchen als Abendessen. Die Nacht ging schnell vorbei und in der Morgendämmerung standen wir wieder draußen – und sahen, wie auch vorhergesagt, nichts.

Watzmannhaus am Morgen
Watzmannhaus am Morgen
Ungemütlicher Aufstieg

Kein einziger Mensch ging an dem Tag nach oben – außer uns. Erst im dichten Nebel, dann bei wechselhaften Sichtverhältnissen stiegen wir über angeschneites Geröll auf und merkten irgendwann, dass es nach oben hin heller wird. Bald darauf verließen wir den Nebel und befanden uns zwischen den Wolkenschichten – auf so viel Glück hatten wir nicht einmal gehofft! Zeitweise beleuchteten sogar die aus dem unsichtbaren Wolkenloch kommenden Sonnenstrahlen den Weg, was für absolute Hochstimmung sorgte – das Wochenende hat sich gelohnt!!!

wo kommt das Licht her?
wo kommt das Licht her?
Gipfel in Sicht!
Gipfel in Sicht! So einsam ist man hier selten.
Hocheck (2652m)
Hocheck (2652m)

Durch den wieder dichten Nebel und herbstlich gefärbte Wälder ging es ins Tal. Anstatt über die Wimbachklamm in die Zivilisation zurück zu kehren, stiegen wir aber noch zur Blaueishütte auf.

Herbst
Herbst

Der Morgen danach begann mit einem Jubelschrei meines Partners – der Himmel war absolut blau! Schnell packten wir unsere Sachen und starteten in Richtung des Hochkalters, dessen Gipfel eindrucksvoll über dem Blaueisgletscher empor strebt. An der Schlüsselstelle, einer gut 10m hohen Steilstufe, wurden sie Zweifel besonders bei meinem Partner groß. Wir einigten und auf die Umkehr und die direkt umgesetzte Schärtenspitze-Überschreitung als Plan B.

auf zum Hochkalter
Hochkalter und Blaueisgletscher

Auf die Schärtenspitze führt ein einfacher Klettersteig. Parallel zu uns waren noch zwei Wanderer unterwegs, die wir vorbei ließen, weil sie keine Helme trugen. Sie legten einen überraschend sportlichen Schritt ein und wir sahen uns erst auf dem Gipfel, wo ich direkt angesprochen wurde: „Du bist doch Anna, oder? Glückwunsch zur guten Zeit bei XXX!“ Ich bedankte mich überrascht, konnte mich aber beim besten Willen nicht erinnern, wer der Fragende war. Später kam raus, dass wir doch kannten, er aber auf Sportveranstaltungen immer ein gelbes Triko der Post trug und ohne kaum zu erkennen war.

Schärtenspitze, (Kraxel-)Aufstieg
geschafft!

Bei zunehmend nebligerem Wetter ging es abwärts. Mehrere Passagen erforderten Konzentration und Trittsicherheit, richtig schwierig war aber nichts. Am späten Nachmittag waren wir wieder im Tal und blickten zufrieden auf die ca. 5000hm in knapp 48h – für ein spontanes Wochenende bei schlechtester Wetterprognose wirklich nicht schlecht!

es wird neblig
es wird neblig
letzte "Abkraxelmeter"
letzte „Abkraxelmeter“

wieder im Tal
wieder im Tal

 

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