Zeltgespenst

…ist unterwegs!

Kreuzspitze 2081m

05/2021

Nein, nein, nein – nicht schon wieder ins Allgäu. Entweder sind dort die Zustiege lang oder man teilt die Berge mit Hunderten anderen, geschweige denn, dass wir dieses Jahr bereits mehrmals dort waren. Aber was dann, bei diesem instabil-regnerischen, zum Westen hin etwas besseren Wetter? Auch in den Ammergauer Alpen waren wir dieses Jahr bereits, kennen sie jedoch wesentlich schlechter und versprachen uns relativ gute Bedingungen, was durch einen Facebook-Post bestätigt wurde. Also, nichts wie los!

Kreuzspitze, noch gut eingeschneit

Ich bin zurzeit gesundheitlich nicht fit. Das macht die Planung nicht einfacher, gerade wenn man gezwungen ist, im Tal zu starten. Die 1100hm bei Schnee könnten sich ziehen… Doch Monsieur ist zuversichtlich, packt genügend Proviant und Wasser für beide ein und stapft voraus, sobald wir auf den Schnee treffen. Die Frau schafft es doch hoch!

Nach einigen Metern durch den Wald quert man ein riesiges Flussbett und steigt auf einem schönen, in recht flachen Serpentinen angelegten Wanderweg hinauf. Ab 1500-1600 war die Schneedecke geschlossen und der Blick das Kar hinauf versprach ein richtiges Berg-Feeling. Uns kamen mehrere Grüppchen entgegen gerutscht und erzählten, wie auch unten getroffene Wanderer, von einem massiv hinterspülten Hang und ständigen Lawinen – wir konnten es nicht nachvollziehen. Lediglich die lockere obere Schneeschicht im Bereich der Spur, bestehend aus einem komischen leicht angefeuchteten Griesschnee, rutschte bei Belastung ab und „schwamm“ einige Meter runter. Und gelegentlich gingen Lawinchen über die benachbarten Wände ab – immer weit außerhalb der Route. Nach dem „Freiputzen“ des Aufstiegs durch die Abrutschenden war das Gehen jedoch angenehm und die Aufstiegsspur keine 10 cm tief.

Nach etwa 300hm durchs Kar kommt man auf einem flachen Gratstück an und darf sich auf den letzten Aufschwung freuen. Hier kraxelt man etwas steiler (Stellen I°) zum Gipfel, welcher diesmal noch tief eingeschneit war. Da wir erst nach dem Regenende, gegen Mittag, starteten, waren wir weit und breit allein und genossen das herrliche Panorama sehr. Das Wetter besserte sich, es wurde fast sonnig und angenehm warm – was will man mehr? Der Abstieg ging schnell und schon kochten wir in letzten Sonnenstrahlen am Auto unsere Nudeln.

Fazit: Kreuzspitze ist, gerade bei Schnee, nichts für Anfänger. Wir sahen überraschend viele, die das Gehen im Schnee offensichtlich nicht gewohnt waren und nagelneue Ausrüstung, z.B. Steigeisen hatten.  Während das Kar tatsächlich ein gutes Übungsgelände darstellt, sollte man weiter oben, in den Felsen, das Gehen und das Kraxeln mit Steigeisen aber bereits gemacht haben. Hat man es drauf, ist die Tour sehr, sehr lohnend.

Sehenswürdikeit auf dem Weg: Ettaler Kloster

Ausrüstung: Bei Schnee steigeisentaugliche Schuhe und Steigeisen empfehlenswert. Sonst die übliche Bergwanderausrüstung. Eispickel aktuell nicht notwendig. Stöcke sehr hilfreich.

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