Zeltgespenst

…ist unterwegs!

Hohes Licht

03/2021

Wir packten alles ein und gingen los. Schneeschuhe, Steigeisen, Zelt, Seil, Essen – der Schlepperei stand nichts weiter im Wege. Oder auch einem kleinen Abenteuer, denn wir wollten uns den Heilbronner Höhenweg anschauen, der im Winter nicht unbedingt ein Spaziergang ist. Dieser erledigte sich zwar schnell von allein – an der Kleinen Steinscharte angekommen, fanden wir den Einstieg nicht – die benachbarte Nordwestflanke des Hohen Lichts strahlte aber umso verlockender. „Willst du da hoch?“ „Und ob!!!“

Hohes Licht (2651m) vom Norden. Der Aufstiegsweg lässt sich an Skispuren erahnen

Auf zur Rappenseehütte

Der Zustieg durchs Rappenalptal ist lang und flach. Mal wieder verpassten wir den Bus, der uns die ersten 2,5 km Marsch ersparen könnte, und gingen die gesamten 9 km zu Fuß. Etwa in der Mitte begann die geschlossene Schneedecke, nicht ganz tragfähig, unangenehm ob zu Fuß oder mit Schneeschuhen. Doch irgendwann, nach etwa 3h, waren wir an der Schwarzenhütte und begannen mit dem Aufstieg.

im Rappenalptal

Das fühlte sich sofort besser an. Es war still und warm, der Pfad schoss einen bewaldeten Rücken hinauf und war besser ohne als mit Schneeschuhen zu gehen. Danach wurde es wieder winterlicher; wir stapften den vielen Spuren hinterher bis unterhalb des Mußbergs. Dieser ist ein kleiner, aber durchaus ärgerlicher Hügel und die einzige Schlüsselstelle auf dem Weg zur Rappenseehütte. Seine Westhänge werden zwischen den Lawinenresten gequert und sind neben der Lawinengefahr steil genug, einem eine lehrreiche Rutschpartie zu verpassen. Deswegen sind, gerade im Frühjahr, Steigeisen sowohl für Ski- als auch Schneeschuhgeher zu empfehlen. Von hier sind es aber keine 200hm mehr bis zur Hütte.

Rappenseehütte (2091m), mit 304 Schlafplätzen die größte DAV-Hütte in Deutschland

Der ungeplante Plan B

Von der Großen Steinscharte oberhalb der Hütte eröffnet sich einem ein gewaltiges Bergpanorama. „Und hier wollen wir hoch?“ – denkt man, während das Auge den steilen Kamm nach Schwachstellen absucht. Besonders prominent ragt vor einem das Hohe Licht in den Himmel – eine imposante Nordflanke, welche man ohne Felskontakt durchsteigen könnte. Die kleine Kraxlerin in mir hüpfte vor Freude.

Und das zurecht 🙂

Die Route war mit Skispuren markiert und auch vom Wegverlauf eindeutig. Den Schnee genossen wir mit Vorsicht – Bruchharsch. Trotz der warmen, sonnigen Tage und eiskalten Nächte zuvor war die Schneedecke nicht tragfähig und Monsieur äußerte als erfahrener Skitourengeher berechtigte Zweifel. Mein Bauchgefühl war aber gut und auch die zwei Skifahrer, die aus dem Nichts kamen und die gefühlt senkrechte Wand hinabdonnerten, meinten, dass es weiter oben besser wird. Na dann, schnell rauf und runter, bevor uns die Sonne erwischt. Es stieg sich alles in allem gut (ca. 45°, vllt. kurz 50°) und nach einem grandiosen Moment auf dem Gipfel traten wir den Rückweg an. Alternativ hätte man über die Winter-Normalroute, den Südwestgrat, absteigen können.

Den Rest des Tages genossen wir in der Sonne. Zelteten knapp außerhalb des Naturschutzgebiets und nach einem Besuch des Hochrappenkopfes (2445m) am nächsten Tag stiegen wieder ab und liefen dieses elendig lange Tal wieder auswärts. Mit funkelnden Augen – so lange war ich nicht mehr im Steilen, so lange fühlte mich nicht mehr ganz klein in einer Wand… Das Hohe Licht war eine nicht schwere, aber wunderschöne Tour mit genialer Aussicht in hochalpiner Umgebung….gern wieder!

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